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Meine Welt ist nicht deine Welt

Vor einigen Tagen war ich zum gefühlten 50. Mal in meinem Leben in Venedig. Ich liebe diese Stadt. Dort kann ich sofort abschalten und zu Ruhe kommen. Es ist für mich wie eine andere Welt. Abtauchen, untertauchen, einfach durch die leeren Gassen schlendern. Kein Straßenverkehr, keine Autos. Alles zu Fuß oder mit den Booten übers Wasser.

In der Lagune von Venedig liegen mehrere bewohnte und unbewohnte Inseln. Alle haben ihre einzigartige Kultur, Geschichte und Handwerkskunst. Murano, Burano, Tocello und San Michele sind meine Lieblingsinseln. Ich war schon sehr oft allein und auch mit Familie, Freunden und Bekannten dort.

Diesmal hat eine ganz besondere Attraktion mein Herz berührt. Nahe dem Markusplatz entdeckte ich einen Delphin wie er durchs Wasser springt. Ich konnte es gar nicht glauben und musste sofort das Ereignis googeln und siehe da: Seit 2025 lebt dieser Delphin dauerhaft in der Lagune und wird Mimmo genannt. Während ich dem Geschehen folgte, setzte ich mich auf eine Bank und ließ meine Gedanken schweifen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte, die ich vor ca. 25 Jahren mit jemandem dort erlebt hatte, dessen Namen ich jetzt verschweige. Nicht weil es ein Geheimnis wäre, nein, um die Privatsphäre dieser Person zu respektieren. Ich werde also von einer Person sprechen und entsprechenden weiblichen Artikel wählen.

Diese Person hatte ich zu dieser Reise eingeladen, um mit ihr meine Stadt zu besuchen, um gemeinsam Zeit zu verbringen und um meine Begeisterung eventuell mit ihr zu teilen. Diese Person hatte sich noch nie Gedanken über Venedig gemacht und sich auch nicht im Vorfeld informiert. Sie war auch noch nicht an Städtereisen interessiert und folgte meiner Einladung aus ganz eigenen Gründen.

So kamen wir an einem sonnigen Tag dort am Bahnhof Santa Lucia an. Ich teilte der Person mit, dass wir jetzt noch Fahrkarten für die Gondeln kaufen müssen, da es in Venedig keine befahrbaren Straßen gibt und wir entweder zu Fuß oder mit Gondeln fahren müssen, um von A nach B zu kommen. Natürlich hätte ich korrekterweise Vaporetto sagen müssen, denn so heißen die Wasserbusse, die durch die Lagune und über den Canal Grande fahren.

Wir stehen also am Fahrkartenschalter und die Person fragte mich: „Wo sind denn die Seile für die Gondeln?“ Ich antwortete selbstverständlich, dass die keine Seile brauchen. Nach kurzer Pause des Schweigens fragte die Person erneut: „Ja, aber wie halten die Gondeln denn. Die müssen doch irgendwo dran fest gemacht sein?“ Meine Antwort entsprach der Wahrheit, als ich sagte, dass da muskulöse Italiener draufstehen mit einem langen Paddel, womit sie die Gondeln durch das Wasser lenken. Meine Antwort hatte nicht dazu geführt, dass die Person sich ein Bild machen konnte und ich erklärte erneut und etwas deutlicher, dass die Italiener mit den Füßen auf den Gondeln stehen, das Paddel ins Wasser halten und dann mit ihrer ganzen körperlichen Kraft die Gondeln halten, bewegen und steuern.

Nach einer Weile des Wartens am Fahrkartenschalter und gemeinsamen Schweigen, erreichte etwas verzweifelt eine neue Frage mein Ohr: „Aber wie wollen die denn die Gondeln mit den Füßen halten und wie lang sind denn die Paddel und irgendwo müssen die doch dran fest gemacht sein?“

Jetzt fiel bei mir der Groschen und ich musste erst einmal herzhaft lachen, bevor ich antworten konnte. Die Person ist leidenschaftliche Skifahrerin und mehrmals jährlich in den Bergen und fährt mehr Gondel als ich je gefahren bin. Die Vorstellung einer Gondelbahn durch Venedig fand ich jetzt richtig toll und malte mir diese Vorstellung in meiner Fantasie aus. Wenn ich das zeichnen könnte, hätte ich dieses Motiv auf Leinwand gebracht. Großartig.



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