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Ein gelungenes Leben trotz schlechter Kindheit?

by Frank Seifert.

Ein gelungenes Leben trotz schlechter Kindheit?

© De Vries

In meiner eigenen Familie höre ich öfter Klagen über die eigene Kindheit/Jugend und wie fürchterlich doch alles war. Die Mutter nicht liebevoll genug und der Vater zu streng. Außerdem durfte man früher – insbesondere als Mädchen – keine höhere Ausbildung machen. Diese widrigen Umstände hätten letztendlich dazu geführt, dass man sein Leben nicht so leben konnte wie man gerne hätte. Oft liest hört man von verurteilten Straftätern, dass sie nur Opfer ihrer schlechten Kindheitserfahrung seien und deshalb auch nur bedingt Verantwortung für ihre Taten übernehmen könnten. Und tatsächlich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass ein gewalttätiges -, liebloses Elternhaus zu gescheiterten Lebensläufen und psychischen Störungen führen kann.

Ergebnisse einer Langzeitstudie

Wissenschaftler, die zum Thema „Stress-Resistenz“ in einer Langzeitstudie mit hawaiianischen Kindern forschten, kamen zu dem Ergebnis, dass etwa zwei Drittel der untersuchten Kinder die aus widrigen Familienverhältnissen stammten, später psychische Störungen entwickelten (mehr dazu unter http://ze.tt/wie-du-mit-deinem-leben-zurechtkommst-auch-wenn-du-eine-schlechte-kindheit-hattest/). Das erstaunliche dabei ist, dass trotz gleich schlechter Startbedingungen immerhin noch ein Drittel der an dieser Langzeitstudie beteiligten Kinder später als Erwachsene ein völlig normales Leben lebten.

Resilienz nicht nur genetisch bedingt

In der sogenannten „Resilienz-Forschung“ (Resilienz ist die psychische Fähigkeit, mit Schicksalsschlägen umzugehen, Krisen zu bewältigen und daraus zu lernen, mehr dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)), gehen die Forscher davon aus, dass diese psychische Widerstandsfähigkeit zu etwas 50 Prozent genetisch bedingt ist. Die anderen 50 Prozent erwerben wir uns im Laufe unseres Lebens oder auch nicht.

Soziales Umfeld beachten

Entscheidend für den erlernbaren Teil der Resilienz ist nach den Ergebnissen der amerikanischen Langzeituntersuchung insbesondere das soziale Umfeld. Damit ist nicht zwingend die engste Familie gemeint. Es können auch Bezugspersonen außerhalb der eigenen Familie wie beispielsweise Lehrer, Nachbarn oder auch Sozialarbeiter sein. Wichtig für den Aufbau einer wertschätzenden und vertrauensvollen Beziehung zu uns Selbst ist nach Meinung von Sozialwissenschaftlern außerdem, positive Rückmeldungen von Außen zu bekommen. Ebenfalls hilfreich bei der Entwicklung einer reifen Persönlichkeit ist es nach den Ergebnissen der Forscher, wenn Kinder schon sehr früh die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen.

Abschottung eher kontraproduktiv

Nicht sehr positiv auf die psychische Widerstandsfähigkeit hingegen sind Eltern, die ihre Kinder zu sehr behüten und vor allen negativen Erfahrungen bewahren wollen. Diese sogenannten „Helikopter-Eltern“ schotten ihre Kinder gegen alles ab, was Stress erzeugen könnte. In der Konsequenz besteht aber die Gefahr, dass diese Kinder später nicht in der Lage sein werden, auf Stress-Situationen angemessen zu reagieren und völlig überfordert sind.

Selbstreflektion ist sehr wichtig

Was ist also das Rezept für ein geglücktes Leben oder auch für eine gute psychische Widerstandsfähigkeit? Auch wenn es in der Kindheit nicht so gut gelaufen ist, haben wir es nach Ansicht der Experten immer auch selbst in der Hand unser Leben zu meistern. Wichtig ist dabei, dass man sich selbst reflektiert. Damit das besser klappt, kann man sich auch Hilfe beispielsweise von einem Coach oder von Freunden holen. Über die gründliche Selbstbetrachtung wird dann klar, was bereits an Ressourcen vorhanden ist und welche Fähigkeiten gegebenenfalls noch erlernt werden können. Außerdem wird empfohlen, ein „Resilienz-Tagebuch“ zu schreiben.

Das Leben ist also ein lebenslanger Lernprozess. Wir haben es weitgehend selbst in der Hand auch aus einer schlechten Startposition etwas sehr Positives zu machen.

Welche Erfahrung in Kindheit hat Ihnen im späteren Leben sehr geholfen? Sind Sie auch der Meinung, dass wir unser Schicksal zu einem großen Teil selbst in der Hand haben? Woran machen Sie das fest?