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„W“ – Weisheit – die Kunst der Gelassenheit

by Frank Seifert.

„W“ – Weisheit – die Kunst der Gelassenheit

© De Vries

Heute geht es im Coaching „ABC“ um das Thema Weisheit. Was bedeutet Weisheit, woran erkennt man sie und stimmt es, dass Weisheit erst im Alter kommt? Die Wissenschaft sieht die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung als eine wichtige Grundvoraussetzung für diese Lebensklugheit. In erster Linie steht der Mensch im Mittelpunkt der Weisheitsforschung, da er die größte geistige Kapazität für die Selbstreflektion zu haben scheint. Mit menschlicher Brille betrachtet wird aber auch Tieren manchmal eine gewisse Erkenntnisfähigkeit unterstellt. Streng wissenschaftlich ist das aber nicht, denn naturgemäß beruhen diese Schlussfolgerungen nur auf beobachtbares Verhalten und deren Interpretationen durch den Beobachter, dem Menschen (mehr dazu unter http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/reise/suedafrika-die-weisheit-der-tiere/1349986.html).

Der innere Steuermann

Weisheit entsteht nach Meinung der Wissenschaftler vor dem Hintergrund der „Kybernetik zweiter Ordnung“ (mehr dazu unter http://lexikon.stangl.eu/845/weisheit/). Kybernetik beschäftigt sich mit der Selbststeuerung von Systemen (soziale, biologische, technische etc.). Die Kybernetik erster Ordnung beobachtet von außen Wirkungszusammenhängen innerhalb bestimmter Systeme. Bei der Kybernetik zweiter Ordnung rückt der Beobachter selbst ins Blickfeld der Beobachtung. Er geht als Individuum eines Systems gewissermaßen in Kommunikation mit dem eigenen „inneren Steuermann“ und ist nicht mehr losgelöst, sondern vielmehr Teil des ganzen und steht in Interaktion. Diese Selbstbeobachtung führt dann oft zu Erkenntnissen über sich selbst und die Welt, die dann gegebenenfalls als weise bezeichnet werden können.

Eine Funktion des Alters?

Tatsächlich haben Forscher experimentell herausgefunden, dass die Kompetenz zur Konfliktlösung beziehungsweise die Fähigkeit unterschiedliche Positionen einzunehmen, mit dem Alter tendenziell zunimmt (mehr dazu unter http://lexikon.stangl.eu/845/weisheit/). Insbesondere im Rahmen von Coachings ist es sehr wichtig, diese Fertigkeit – sich in den anderen hineinversetzen zu können – erworben zu haben. Die Meinung des anderen zu verstehen und zu akzeptieren, zu wissen, dass es die eine „Wahrheit“ nicht gibt und dass alle Menschen infolge ihrer individuellen Sichtweise nur über Ausschnitts-Wissen verfügen, ist eine meist erst mit den Lebensjahren und den damit verbundenen Erfahrungen gemachte weise Einsicht. Ältere Menschen sind daher öfter zu Kompromissen bereit und ausgleichend. Einige Entwicklungsbiologen gehen aber davon aus, dass es für jede Altersgruppe spezifische Anforderungen gibt, für die gute Lösungen gesucht werden müssen. Junge Menschen haben meist andere Themen als Ältere und umgekehrt. Mit dem Alter verblassen die Herausforderungen aus der Jugend und somit auch die Lösungskompetenz. Insofern ist Weisheit wiederum weniger eine Funktion des Alters.

Kann man Weisheit lernen?

Weisheit ist keine Frage des IQ oder der sozialen Herkunft. Sich Wissen über Bücher anzueignen macht ebenso nicht automatisch weise. Weise Menschen zeichnen sich nach Ansicht von Wissenschaftlern insbesondere dadurch aus, dass sie ihr Erfahrungswissen aus Krisen gewonnen haben und eine gewisse Toleranz gegenüber negativen Erlebnissen aufweisen – beziehungsweise diesen einen Sinne geben können (mehr dazu unter http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/04/weisheit-empathie-gelassenheit).

Positives Denken

Aber auch weise Menschen sind bei weitem nicht unfehlbar und zeigen trotz aller Gelassenheit Emotionen. Ein wichtiges Merkmal für einen hohen Weisheits-Grad sehen Forscher darin, wenn Menschen Situationen in einem größeren Zusammenhang sehen können und ihre Schlussfolgerungen immer etwas Positives und Sinnstiftendes haben. Sie sind also nicht frustriert und entmutigt, bei den Herausforderungen die sich ihnen stellen.

Halten Sie sich selbst für weise? Kennen Sie einen weisen Menschen? Was macht diesen für Sie weise?