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Streiten 2.0 oder was raten Konfliktforscher heute?

by Frank Seifert.

Streiten 2.0 oder was raten Konfliktforscher heute?

© De Vries

Es ist Urlaubszeit und damit Familienzeit. Viele Menschen verbringen nun sehr viel Zeit mit ihren Partnern und Familien. So sehr wir uns auch alle auf die schönsten Wochen des Jahres freuen, so sicher sind Konflikte vorprogrammiert. Da prallen oft die unterschiedlichsten Vorstellungen aufeinander, beispielsweise wie der Tag auszusehen hat. Das birgt genug Potenzial für Konflikte. Streit gehört zur menschlichen Existenz und zu unseren alltäglichen Erfahrungen.

Richtig streiten ohne „Du-Botschaften“!?

Wie man „richtig“ streitet haben Konfliktforscher untersucht und einige Grundregeln formuliert. Eine der goldenen Regeln war, dass man möglichst keine „Du-Botschaften“ benutzen sollte, denn das würde den Konfliktpartner herabwürdigen und eine Lösung erschweren. „Ich-Botschaften“ dahingegen, vermitteln das Gefühl auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Authentischer streiten

Die neueste Konfliktforschung tendiert wieder etwas mehr zum authentischeren Streit (mehr dazu unter http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/03/Streiten). Da darf man auch mal unsachlich werden und affektive Aussetzer sind durchaus akzeptabel, wenn man nachher den Streit analysiert. Sogar die bisher als Todsünde des Streitens empfundenen „Du-Botschaften“ dürfen gelegentlich benutzt werden. Nach dem Grundsatz „Klarheit geht manchmal vor Schönheit“ sind dann die eher als antrainiert wirkenden „Ich-Botschaften“ nicht die beste Wahl der Mittel. Nach Ansicht der Forscher geht es im Streitfall immer auch um Authentizität. Wenn jemand eher ein kämpferischer Typ ist, so wirkt dieser wenig authentisch, wenn dieser seine Wut herunterschluckt, nur um softer zu wirken. Das dringende Anliegen des Betroffenen kommt so weniger effektiv beim anderen an. Mit der „Faust in der Tasche“ herumzulaufen und ständig die eigene Wut zu unterdrücken ist auf Dauer auch nicht gut für die Gesundheit. Ebenfalls heilbar könnte die Strategie der „Du-Botschaften“ für diejenigen sein, die bisher lieber Konflikte vermieden haben. Diese konfliktscheuen Persönlichkeitstypen lernen auf diese Weise eine neue Art mit Konflikten umzugehen. Wo die Grenzen einer solchen Neuprogrammierung liegen ist allerdings nicht prognostizierbar. Aus einem defensiven Typen wird so schnell kein Kämpfer und umgekehrt. Entscheidend ist aber, dass man sich gut kennt und entsprechend mit den eigenen Mustern umgeht.

Innere Haltung und Emotionen

Am wichtigsten beim Streiten ist daher die innere Haltung und weniger eine perfekt erlernte Streitpsychologie. Es ist nach Meinung der Forscher vorteilhaft, die eigenen Streitmuster zu kennen und zu verstehen, dass nicht die Anderen für meinen Ärger verantwortlich sind. Kommunikation geht in alle Richtungen und es gibt den Spruch „man kann nicht-nicht kommunizieren“. Wenn wirklich besser verstanden wird, wie man selbst und andere Menschen auf bestimmte Signale reagieren, könnten viele Konflikte im Vorfeld vermieden – bzw. konstruktiver gelöst werden. Es geht als nach den neuesten Erkenntnissen der Konfliktforscher vor allem darum, dass wir uns und den anderen besser verstehen sollten und um Authentizität. Dauerhaft sind grundsätzliche Konflikte nicht durch zu stark aufgesetzte Methoden zu lösen. Emotionale Ausbrüche können da manchmal eher helfen, Klarheit zu schaffen und mit sich und anderen ins Reine zu kommen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit „Ich-Botschaften“? Welcher Konflikttyp sind Sie? Wie lösen Sie Ihre Konflikte?