iA


Seelischer Schmerz – was dagegen tun?

by Frank Seifert.

Seelischer Schmerz – was dagegen tun?

© De Vries

So gut wie jeder Mensch in einem gewissen Alter hat ihn schon einmal erlebt – seelischen Schmerz. Diese Erfahrungen brennen sich meist sehr tief in unsere Erinnerung. Ich erinnere mich beispielsweise noch sehr gut daran, wie ich mit ungefähr drei Jahren von meinen Eltern – ohne jede Vorwarnung – im Kindergarten abgegeben wurde. Das war für mich damals ein traumatisches Erlebnis. Alles Heulen und Klammern half nicht. Ich wurde einfach dort zurückgelassen und die Kindergärtner (so hießen die damals) sagten nur, das würde sich schon geben. Hat es letztlich auch. Aber die schmerzhafte Erinnerung sitzt nach wie vor tief. Gut, dass man heute den Kindern eine gewisse Zeit der Eingewöhnung gibt. Meiner Meinung nach muss nicht jede Erfahrung so früh und auf diese Weise gemacht werden.

Verarbeitung im Hirn

Seelischer Schmerz begleitet uns gewissermaßen ein Leben lang. Im Teenageralter ereilt viele Menschen ein extrem schmerzhafter Liebeskummer. Später kann dann der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen diesen Schmerz auslösen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass dieser seelische Schmerz vom Körper genauso empfunden wird wie physischer Schmerz. Eine Studie hat dazu die Gehirnaktivitäten von Probanden aufgezeichnet und festgestellt, dass dieselben Hirnregionen bei körperlichen – wie bei seelischem Schmerz aktiv sind (mehr dazu unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3076808/). Also lässt sich der seelische Schmerz nicht einfach nur als eingebildet abtun, denn er ist gewissermaßen sehr real. Nicht umsonst spricht beispielsweise der Volksmund bei Liebeskummer von einem „gebrochenen Herz“.

Keine schnellen Patentmittelchen

Die große Schwierigkeit beim seelischen Schmerz ist allerdings, dass man dieses gebrochene Herz nicht einfach sehen kann und es auch keine schnellen Patentmittelchen gibt, um dieses zu heilen. In Situationen tief empfundenen Schmerzes helfen dann Aussagen wie „die Zeit heilt alle Wunden“ nicht weiter und verschaffen keine schnelle Linderung. Auch wenn das Erfahrungswissen der Älteren die Richtigkeit dieser und ähnlicher Weisheiten kennt, so muss dies offenbar zunächst selbst erfahren werden.

Gedächtnis-Hubbel

Ein weiteres Phänomen führt dazu, dass seelischer Schmerz wie Liebeskummer oft so intensiv und andauernd empfunden wird. Wissenschaftler sprechen hier von sogenannten „Gedächtnis-Hubbeln“ (mehr dazu unter http://psycnet.apa.org/?&fa=main.doiLanding&doi=10.1037/0882-7974.11.1.85). Diese „Hubbel“ sind biografisch zum ersten Mal auftretende Ereignisse, wo es naturgemäß noch keinen Vergleich geben kann. Die erste große Liebe ist so eine Premiere im Leben vieler junger Menschen. Der Verlust  dieser „großen Liebe“ wird dann als überdimensional groß empfunden, weil sie bis dahin einzigartig ist und es keinen Verglich gibt. Eine mögliche Maßnahme, um den Kummer möglichst rasch zu überwinden und nicht in ihm hängen zu bleiben könnte sein, diese „große Liebe“ als das zu sehen was sie ist – nämlich ein besonderes Ereignis im Leben, weil es das erste seiner Art ist. Weitere werden dann folgen, die einfach anders sind.

Faktor Zeit

Die Zeit – beziehungsweise Lebenserfahrung – heilt offenbar unsere Wunden. Im ersten Moment sicherlich kein allzu starker Trost. Dennoch geht es im Leben immer weiter. Dagegen ist nur schwerlich etwas zu machen. In der Regel nimmt der Schmerz auch mit der Zeit von alleine etwas ab. Wenn das dann der Fall ist, kann man eine neu Perspektive einnehmen und sich öffnen für neue Lieben (mehr dazu unter http://ze.tt/wie-du-ueber-die-liebe-deines-lebens-hinwegkommst/?utm_content=zeitde_redpost_zei_link_sf&utm_campaign=ref&utm_source=facebook_zonaudev_int&utm_term=facebook_zonaudev_int&utm_medium=sm&wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zei.link.sf).

Rituale

Als eine weitere Hilfe bei der Bewältigung schmerzhafter Verlusterfahrungen, empfehlen einige Psychologen die Einführung von Trauerritualen (mehr dazu unter http://ze.tt/warum-wir-fuer-liebeskummer-rituale-brauchen/). Wichtig dabei ist allerdings, das diese auch regelmäßig physisch ausgeführt werden müssen und nicht durch eine einmalige Handlung wie beispielsweise das Löschen aus dem Facebook Account erledigt sind. Es braucht eben immer etwas Zeit, Trauer zu bewältigen. Schmerz ist dabei nicht zu vermeiden und kann sogar helfen, die Trauer besser zu verarbeiten.

Wie sieht Ihre Bewältigungsstrategie für Trauer und seelischen Schmerz aus? Welche schmerzhaften Erfahrungen haben Ihnen vielleicht im Leben und Ihrer Entwicklung sogar weiter geholfen?