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Halloween – Grusel ohne Gesang

by Frank Seifert.

Sankt Martin vs. Halloween – lieber gruseln statt singen

© De Vries

Kürzlich unterhielt ich mich nach der Yoga-Stunde mit der Studiobesitzerin – einer Mutter von zwei Kindern im Vor- beziehungsweise Grundschulalter – über das neue deutsche Event „Halloween“. Mittlerweile ist es wohl so, dass die Kinder nicht mehr mit ihrer selbst gebastelten Laterne zum Martinssingen gehen, sondern lieber als Hexe oder Teufel verkleidet Halloween feiern. Süßigkeiten gibt es auch und es macht den Kindern zusätzlich einen großen Spaß, andere (Kinder und Erwachsene) ein wenig zu erschrecken und sich selbst zu gruseln. Sankt Martin kommt da nicht mit und ist offensichtlich viel zu langweilig. Dieses christliche Traditionsfest meiner eigenen Kindheit ist allenfalls noch etwas für ganz kleine Kinder, die noch keinen Gefallen am Gruseln und Erschrecken haben. Aber woher kommt eigentlich die Lust am Gruseln und warum brauchen einige Menschen dieses Erlebnis immer wieder?

Spielerisches Gruseln

Babys und sehr kleine Kinder haben dieses Bedürfnis offensichtlich noch nicht. Es entwickelt sich scheinbar erst etwas später im Kindesalter. Schon Kinder „zocken“ (verbotenerweise) mit großer Begeisterung gewaltvolle und gruselige Spiele. Dabei werden die Darstellungen immer realistischer. Heute investiert die Spieleindustrie viel Energie und Ressourcen in die Entwicklung virtueller Realitäten. Bei diesen möglichst realitätsnahen Spielen darf der Spieler sich dann richtig fürchten (mehr dazu unter http://www.spiegel.de/spiegel/vr-virtuelle-realitaet-geisterbahn-war-gestern-a-1110845.html).

Evolutionärer Ursprung

Wann genau diese Lust am Horror entsteht ist meines Wissens noch nicht umfassend untersucht worden. Darüber aber warum der Mensch diesen Thrill sucht, gibt es einige Untersuchungen, beziehungsweise Vermutungen (mehr dazu unter http://www.zeit.de/wissen/2016-10/psychologie-erschrecken-angst-horror-halloween). Sich zu erschrecken hat nach Ansicht der Forscher einen Überlebenswert. Auch Tiere erschrecken sich bei Gefahr. Je schneller die Schreckreaktion, desto größer die Überlebenswahrscheinlichkeit. So weit so gut. Warum aber suchen Menschen bewusst und willentlich diese Stresssituationen und genießen sie sogar?

Lust sich zu erschrecken

Die Wissenschaft geht davon aus, dass beispielsweise die Erleichterung über eine Schreck auslösende Ursache, die sich als harmlos herausstellt, positive Gefühle verursacht. Auch einer drohenden Gefahr entronnen zu sein gibt uns einen gewissen Kick. In der Folge dieses lustvollen Erlebnisses von Anspannung und Erleichterung suchen viele Menschen immer wieder die Gefahr. Oft ist es auch so, dass der Grusel nur genossen werden kann wenn man das Gefühl der Kontrolle hat. Die Dosis und Dauer des Schreckens ist dann lustvoll steuerbar und kann jederzeit beendet werden.

Lust andere zu erschrecken

Die Lust andere zu erschrecken, kann nach den Erkenntnissen der Psychologen zwei Ursachen haben. Einige Menschen genießen den Wechsel von Anspannung bevor jemand erschrocken werden soll und die anschließende Entspannung. Andere Menschen – vor allem Männer – empfinden ein lustbringendes Gefühl der Macht, wenn sie andere erschrecken können.

Wann haben Sie sich das letzte Mal lustvoll gegruselt? Haben Sie Spaß dabei, andere zu erschrecken? Was gibt Ihnen den Kick?