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Nein – ein kleines Wort mit großer Wirkung

by Frank Seifert.

Nein – ein kleines Wort mit großer Wirkung

© De Vries

Wer häufiger mit kleinen Kindern zu tun hat, bekommt die vier Buchstaben „N E I N“ sehr oft zu hören. Dieses kleine Wort scheint eine große Faszination auszuüben, denn eine mehr oder weniger gereizte Reaktion der Erwachsenen ist so gut wie sicher. Später im Leben als Erwachsener sieht das Ganze aber häufig anders aus. Ein Nein scheint einem plötzlich nicht mehr so leicht über die Lippen zu kommen – obwohl es sehr häufig gedacht wird.

Erziehung zum Ja-Sager

Irgendwann in der Erziehung muss etwas Grundlegendes passiert sein. Irgendwann haben wir lernen müssen, dass ein „Nein“ insbesondere bei Bezugs- und Respektpersonen nicht gut ankommt und von diesen oft negativ – beispielsweise durch Liebesentzug – quittiert wird. Sei es im Job oder im privaten Bereich – die Liebe die einem entgegen gebracht wird ist offenbar nicht mehr bedingungslos und umsonst zu bekommen. Es scheint an ein bestimmtes Wohlverhalten geknüpft zu sein. Sicherlich, ein notorischer Nein-Sager wird es schwerer im Leben haben als ein geschmeidiger Ja-Sager.

Grenzen des Wohlbefindens

Irgendwo ist aber auch eine individuelle Grenze – eine Grenze ab der ein Nein angemessener erscheint als ein Ja. Diese Grenze ist für viele dort, wo das eigene Wohlbefinden, die Beziehungen oder gar die Gesundheit empfindlich gestört werden. Je mehr man etwas macht, was man „eigentlich“ nicht tun möchte, desto weniger kann man sich um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse kümmern (mehr dazu unter http://www.wunderweib.de/mehr-zeit-fuer-die-wirklich-wichtigen-dinge-im-leben-99944.html). Vielleicht ist sogar im Extremfall irgendwann der Punkt erreicht, an dem man seine eigenen Bedürfnisse überhaupt nicht mehr kennt. Ich persönlich habe das bei der Generation meiner Großeltern miterlebt. Sie sind zu ihrer Zeit sehr stark zur Pflichterfüllung und Gehorsam erzogen worden. Für ein eigenes – und selbstbestimmtes Leben war da kaum Raum. Aber auch heute gibt es sehr viele Situationen, in denen es schwer fällt, nein zu sagen. Wer kann es sich im Zeitalter von Internet, Emails und Smartphones denn noch leisten, nicht 24/7erreichbar zu sein, ohne befürchten zu müssen schnell außen vor zu sein.

Karoshi – Tod durch Überarbeitung

In anderen Kulturen ist Nein-Sagen ein gesellschaftliches Tabu und sogar so stark ausgeprägt, dass die Firmen und der Staat den Menschen eine laxere Arbeitsmoral empfehlen (mehr dazu unter http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/agenda/japan-setzt-auf-den-premium-friday-14602472.html). Auch wenn hinter dieser Kampagne vor allem wirtschaftliche Interessen stehen (arbeitet weniger und kauft mehr), so scheint ein Umdenken in der asiatischen Anpassungskultur vor dem Hintergrund von „Karoshi“ (Tod durch Überarbeitung) nötig zu sein.

Frage nach dem warum?

Ein erster Ansatz, um den eigenen Mustern auf die Schliche zu kommen, ist die Frage warum man wieder einmal „ja“ gesagt hat, obwohl man „nein“ dachte beziehungsweise fühlte. Ist es vielleicht, weil man Angst hatte abgelehnt zu werden oder ist es die Angst vor den möglichen negativen Konsequenzen? Andere mögen vielleicht das Gefühl zu sehr, gebraucht zu werden oder zumindest nicht als Egoist zu gelten. Meist haben die Gründe für ein ungewolltes Ja mit der Wahrnehmung durch andere – beziehungsweise mit unserem Selbstbild zu tun.

Manipulationsstrategien

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die es sehr gut verstehen mit bestimmten Strategien Einfluss auf das Verhalten von anderen zu nehmen. Diese Manipulationsstrategien können sehr unterschiedlich sein. Häufig werden beispielsweise Schuldgefühle erzeugt oder es wird die Überrumpelungstaktik angewendet und sogar gedroht (mehr dazu unter http://isc-finger.de/m-methoden-der-einflussnahme/).

Ökologie-Check

Im zweiten Schritt ist es hilfreich, nicht immer sofort ja zu sagen und sich erst einmal Bedenkzeit zu geben, um die Sache aus unterschiedlichen Blickwinkel zu sehen. Dabei kann man feststellen, welche Gründe und Konsequenzen hinter einem Ja oder einem Nein stehen würden. Dieser sogenannte „Ökologie-Check“ dient der Überprüfung der Übereinstimmung mit dem inneren und äußeren System und macht unter anderem deutlich, wenn durch eine Entscheidung Störungen zu erwarten sind. (mehr dazu unter http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Ökocheck). Diesen möglichen Risiken könnte man dann durch ein überzeugendes Nein begegnen.

Sind Sie jemand, der nur sehr schwer nein sagen kann? Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Sie zu vorschnell ja gesagt haben?