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„L“- Liebe – ein Begriff viele Be(deutungen)

by Frank Seifert.

„L“- Liebe - ein Begriff viele Be(deutungen)

© De Vries

Nach dem Begriff „Konflikt“ im Coaching ABC geht es direkt weiter zur „Liebe“. Eigentlich könnte man denken, dass Konflikt und Liebe sich gegenseitig ausschließen bzw. konträr sind. Allerdings werden viele Konflikte unter dem Deckmantel der Liebe ausgetragen. Auch körperliche Gewalt und Liebe scheinen sich für viele Menschen nicht auszuschließen. Sind Konflikte zwischen Eltern und Kindern nicht auch alltäglich und wer würde denn, trotz allem behaupten, seine Kinder nicht zu lieben? Früher schien es sogar ein Zeichen besonders fürsorglicher Eltern zu sein, wenn sie ihre Kinder auch körperlich züchtigten. Die Liebe scheint ein sehr komplexes Thema zu sein. Alleine die unterschiedlichen Formen und Definitionen von Liebe verwirren (mehr dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe). Neben den vielen individuellen Auffassungen und Empfindungen, was Liebe genau ist, hat sich sowohl die Philosophie von der Antike bis heute als auch die moderne Soziologie und die Psychologie sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Die Medienwelt ist außerdem voll von populärwissenschaftlichen Artikeln zum Thema Liebe. In der Ratgeberliteratur beschäftigt man sich beispielsweise sehr häufig mit der Frage wie man die „wahre und große“ Liebe findet oder woran Frauen erkennt, wenn sie „zu sehr lieben“ und sich deshalb selbst zerstören (siehe auch Robin Norwood „Wenn  Frauen zu sehr lieben“). Auf die richtige Dosis Liebe kommt es also offenbar ebenfalls an. Die große Anzahl an allein lebenden Menschen in Industrieländern wie Deutschland zeigt scheinbar, dass für die Liebeskompetenz – zumindest was die romantische Liebe angeht – Nachholbedarf besteht.

Kategorien

Was sagen aber die Philosophen und die analytische Wissenschaft zu diesem zuweilen sehr emotionalen Thema? Die antike Philosophie unterscheidet in drei Kategorien (Leidenschaft/Erotik, Freundschaftsliebe und Nächstenliebe). Im Laufe der Zeit und infolge des christlichen Morallehre sind die körperliche – sowie die geistige Liebe voneinander scharf getrennt worden, wobei die rein geistig-platonische Liebe oftmals als die höhere -, reinere Liebe betrachtet wurde. In der körperlichen Liebe scheint sich der Mensch als Krone der Schöpfung nicht weiter von den Tieren zu unterscheiden. In der rein geistigen Liebe allerdings sind die Menschen den Tieren entwicklungstechnisch voraus. Insofern scheint die Liebesfähigkeit beim Menschen differenzierter zu sein als bei den Tieren, wo es offensichtlich ausschließlich um die Arterhaltung geht.

Strikte Grenze in der Therapie

Unterschieden werden auch das sogenannte „Liebesempfinden“ und die sogenannten „Liebesgefühle“. Beim ersten handelt sich primär um die körperlich-sinnliche Anziehung und Begehren einer anderen Person. Beim Liebesgefühl steht eher das Wohlwollen bzw. die Sympathie im Vordergrund. Im Coaching oder in der Therapie ist es sehr wichtig, dass man beides strikt unterscheidet. Auf keinen Fall darf aus dem – für die Therapie – sehr hilfreichen Gefühl des Wohlwollens sexuelle Anziehung werden. In diesem Fall handelt es sich um eine fatale Verstrickung und die Therapie ist zu beenden. Bestimmte Formen der Liebe können also in bestimmten Situationen sehr unpassend sein.

Intersubjektivität

Liebe als intersubjektive Anziehung schließt die Bedingung von Gegenseitigkeit mit ein. Diese Ansicht beschränkt sich allerdings nur auf Formen der Liebe zwischen selbstbestimmten Menschen. Anderen Spielarten der Liebe – wie beispielsweise der Objektliebe, der Liebe zu Gott oder auch der Selbstliebe – fehlt diese Intersubjektivität. Freiwilligkeit in der zwischenmenschlichen Liebe ist aber eine Grundvoraussetzung für eine erfüllte Liebesbeziehung. Ist diese Liebe nur sehr einseitig oder sogar erzwungen, kann es sehr dramatische Folgen haben zu schwerwiegenden Konflikten führen.

Das Spiel der Liebe

Das Lied „Liebeskummer lohnt sich nicht ….“ plädiert für einen spielerischen Umgang mit der intersubjektiven Leidenschaft. Liebe in welcher Form auch immer findet sich überall auf dieser Welt. Man braucht nur ein offenes – und liebendes Herz dafür.

Was sind Ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Arten der Liebe? Haben Sie Ihre große Liebe gefunden? Ist Liebe begrenzt oder unbegrenzt vorhanden? Warum mangelt es Ihrer Meinung nach häufig an Liebe?