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Es steckt ein Gedächtniskünstler in Dir

by Frank Seifert.

Es steckt ein Gedächtniskünstler in Dir

© De Vries

Heute war ich Lebensmittel einkaufen. Und das ohne Einkaufsliste. Dabei habe ich wieder einmal einige Kleinigkeiten vergessen. Wenn ich sowieso nicht immer mehr oder weniger das Gleiche kaufen würde, würde ich wahrscheinlich die Hälfte vergessen. Insbesondere bei Dingen, die ich nur ab und zu kaufe, wie beispielsweise Olivenöl, kann es schon mal mehrere Anläufe dauern, bis der Vorrat an diesen Produkten aufgefüllt ist. Nachdem ich mich über meine Vergesslichkeit kurz geärgert habe, denke ich manchmal das muss wohl am Alter liegen – und da kann man wohl nichts machen. Aber weit gefehlt! Nach den Ergebnissen einer Studie von Neurobiologen der niederländischen Radboud-Universität ist es für fast jeden relativ leicht möglich, ein Gedächtniskünstler zu werden (mehr dazu unter http://www.sueddeutsche.de/wissen/neurobiologie-wie-sich-die-gedaechtnisleistung-verdoppeln-laesst-1.3410183). Es braucht offensichtlich nur ein Hirn-gerechtes Training.

Aktivitäten des Gehirns beim Erinnern

Die niederländischen Forscher wollten wissen, wie sich gesteigerte Gedächtnisleistung auf das Gehirn auswirkt. Dafür untersuchten sie zunächst mit einem Hirn-Scan die Gehirnaktivitäten von ausgewiesenen Gedächtniskünstlern. Seit längerem ist Medizinern bekannt, dass bestimmte Hirnregionen besonders wichtig für das Erinnern sind. Allerdings beschränken sich die Aktivitäten des Gehirns beim Erinnern nicht nur auf eine Region. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass vielmehr eine große Zahl neuronaler Netzwerke in unterschiedlichen Regionen aktiv ist. Je vielfältiger die Verbindungen dabei sind, desto besser ist die Gedächtnisleistung.

Gedächtniskünstler werden nicht geboren

Die untersuchten Gedächtnisathleten sind nach eigenen Angaben nicht mit ihren Fähigkeiten auf die Welt gekommen. Vielmehr haben sie es sich systematisch antrainiert. Dabei benutzen sie eine der ältesten bekannten Lerntechniken – die sogenannte „Loci-Technik“ (mehr dazu unter http://www.lernen-heute.de/technik_locitechnik.html). Bei dieser Methode werden die zu erinnernden Dinge mit markanten Punkten eines bekannten Weges (beispielsweise zur Arbeitsstelle oder zur Bushaltestelle) verknüpft. Auf diese Art entsteht eine Geschichte bei der die zunächst getrennt erscheinenden Gegenstände miteinander assoziativ verbunden werden. Es entwickeln sich also erzählerische Verknüpfungen, die sich auch im Gehirn ablesen und messen lassen. Dort werden die erzählerischen Verknüpfungen in den neuronalen Verbindungen verschiedener Hirnregionen abgebildet. Das regelmäßige Üben dieser Methode hat also große Auswirkungen auf die Aktivitäten jedes Gehirns. Die Neurobiologen konnten dies in ihren empirischen Studien eindrucksvoll nachweisen. Durch die Loci-Methode hat sich die Gedächtnisleistung der Probanden sogar verdoppelt. Die verbesserte Leistungsfähigkeit war sogar noch Monate nach Beendigung des Programms messbar. Das Gehirn hat sich also verändert. Bei der Kontrollgruppe und deren Gehirne ohne Training hat sich dahingegen nichts getan.

Hirn gerechtes Lernen praktizieren

Es ist meiner Ansicht nach sehr erstaunlich, wie man das Gehirn trainieren kann, wenn man die geeigneten- und somit Gehirn gerechten Lernmethoden verwendet. Wenn diese Methode nachweislich so gut funktioniert, müsste sie eigentlich an allen unseren Schulen erlernt und praktiziert werden. Generationen von Schülern könnten sich die Qualen von stupidem Auswendiglernen sparen und hätten sogar noch Spaß dabei. Auch für unser alltägliches Leben ist es sicherlich von großem Nutzen, wenn man sich Dinge besser merken kann. Ich denke nur ans Einkaufen von Lebensmitteln – und insbesondere an die Kleinigkeiten die man gerne man vergisst.

Wie erinnern Sie Dinge? Fällt es Ihnen leicht auswendig zu lernen? Haben Sie die beschriebene Methode schon einmal ausprobiert?