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Ein gutes Gedächtnis macht träge

by Frank Seifert.

Ein gutes Gedächtnis macht träge

© De Vries

Ein gutes Gedächtnis zu haben ist im alltäglichen Leben meist sehr hilfreich. Viele Dinge braucht man dann nur einmal zu machen und so mancher zusätzliche Weg bleibt einem erspart. Aber wenn man schon beim Gang durch die Wohnung von einem Zimmer ins nächste feststellt, dass man vergessen hat was man eigentlich dort wollte, dann bekommt die Demenz geradezu reale Konturen. Sofort kommt dann die innere Mahnung, endlich etwas dagegen zu unternehmen.

Das Gedächtnis trainieren

Auf jeden Fall ist es nicht schön, wenn solche Ausfälle den geschmeidigen Lauf des Tages unterbrechen. Möchte nicht jeder auch im Alter sein (mehr oder weniger) gutes Gedächtnis behalten? Hier ist insbesondere vom Kurzzeitgedächtnis die Rede. An längst vergangene Ereignisse scheint sich das Gehirn besser erinnern zu können. Für den Alltag ist aber das Kurzzeitgedächtnis wesentlich praktischer. Um das Gedächtnis fit zu halten gibt es ein Vielzahl von Übungen und Gedächtnishilfen (mehr dazu unter http://www.brain-fit.com/html/gedaechtnistraining.html).

Der Fluch des guten Gedächtnisses

Jetzt hat eine Forschergruppe etwas sehr überraschendes herausgefunden: Menschen mit einem besonders guten Kurzzeitgedächtnis langweilen sich schneller und werden dadurch träge (mehr dazu unter http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-der-fluch-des-guten-gedaechtnisses-1.3486556). Die Forscher sprechen sogar von einem „Fluch des guten Gedächtnisses“. Als Erklärung für ihre Beobachtungen vermuten sie, dass Menschen mit einem sehr detaillierten Erinnerungsvermögen aufgrund der erlebten Intensität der Situation den Eindruck haben, dass sie diese bereits häufiger erfahren haben. Das wiederum führt zu einer Art Sättigungsgefühl.

Fehlendes Sättigungsgefühl

Ein fehlendes einsetzen des Sättigungsgefühl kennen viele vom Chips essen beim genüsslichen Filme schauen. Wir vergessen schlichtweg, dass wir bereits eine Tüte Chips und eine Tafel Schokolade gegessen haben und sind demnach auch nicht satt – obwohl der Magen etwas anderes sagt. Hier würde nach Ansicht der Forscher bewussteres Essen die Sättigung eher herbeiführen und man würde demnach weniger essen, was gewiss der Figur helfen würde.

Detailliertes Erinnern macht träge

Unser Bewusstsein beziehungsweise unser kognitiver Apparat steuert also nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler sehr stark körperliche Wahrnehmungen wie das Sättigungsgefühl. Gleichzeitig führen eine besonders aufmerksame Wahrnehmung von Details in unserer Umgebung sowie das gute Erinnerungsvermögen unseres Kurzzeitgedächtnisses dazu, dass wir träger werden.

Erinnerung beeinflusst unser Erleben

Das wirft ein völlig neues Bild auf das voran beschriebene Schreckgespenst eines eher schlechten Gedächtnisses oder lässt es zumindest nicht mehr so schlimm erscheinen. Es kann also auch sein Gutes haben, wenn man schnell vergisst was gerade noch gewesen ist. Die Neugierde und Lust auf das was da noch kommen könnte bleibt erhalten. Vielleicht ist diese Schlussfolgerung etwas zu salopp und trifft nicht die wirklich schwierige Situation von mit Demenz betroffenen Menschen und deren Angehörigen. Interessant ist es dennoch, wie sehr unser Erleben durch die Fähigkeit des detaillierten Erinnerns beeinflusst wird.

Können Sie sich besonders gut Details einprägen? Wie erleben Sie diese Situationen und sind Sie dadurch schnell gelangweilt? Was tun Sie, um geistig fit zu bleiben?