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Die drei Führungsprinzipien – und das Kölsche Grundgesetz

by Frank Seifert.

Die drei Führungsprinzipien – und das Kölsche Grundgesetz

© De Vries

„Do laachs de disch kapott …“ (Kölsch: Da lachst Du Dich kaputt …) ist der 11. Artikel des Kölschen Grundgesetzes (mehr dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Rheinische_Grundgesetz). Wer kennt diese Gebote – oder vielmehr Lebensweisheiten – nicht, wenn er/sie im Rheinland aufgewachsen ist? „Da lachst Du Dich kaputt …“ meint dabei im übertragenen Sinne „bewahre Dir eine gesunde Einstellung zum Humor“. Wie eine Déjà Vu dieser – seit langer Zeit überlieferten Ratschlägen für ein glückliches Leben – kommen mir zum Teil Empfehlungen für Manager aus dem neuen gemeinsamen Buch des Hamburger Psychologen Schulz von Thun (Vier-Ohren-Modell) mit dem ebenfalls in den Medien oft zitierten Kommunikations-Wissenschaftler Bernhard Pörksen vor (mehr unter http://www.zeit.de/karriere/2014-08/schulz-von-thun-poerksen-kommunikation-rezension).

Persönliche Gespräche

Die beiden Wissenschaftler haben sich einige Male getroffen und über ihre Erkenntnisse in der Erforschung menschlicher Kommunikation diskutiert. Dabei kam u.a. auch Privates zur Sprache und es wurde zudem über den Zusammenhang gelungener Kommunikation und einem glücklichen Leben philosophiert. Aus den Aufzeichnungen dieser Gespräche ist das neue Buch entstanden und stellt gewissermaßen die Quintessenz langer Forschungen und persönlicher Erfahrungen dieser beiden Männer dar.

Zunehmender Druck für Manager

Es wurde aber nicht nur gut Bekanntes und Erforschtes wiederholt und zusammengefasst. Im Laufe der Gespräche entwickelten die beiden Wissenschaftler das bislang noch nicht veröffentlichte Konzept der „drei Führungsprinzipien“. Der Grund dafür ist nach Meinung Schulz von Thuns, dass der Druck auf die Manager in den letzten Jahren stetig gewachsen sei und guter Rat somit dringend erforderlich ist.

Integrale Führungspersönlichkeiten

Das Ideal sei die „integrale Führungspersönlichkeit“, die alle Grundbedürfnisse gemäß Riemann-Thomann-Modell (mehr dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Riemann-Thomann-Modell) verinnerlicht hat und flexibel, schnell und angemessen auf gestellte Herausforderungen reagieren kann. Die drei Führungsprinzipien wiederum orientieren sich an dem Riemann-Thomann-Modell und werden von Schulz von Thun als Empfehlung an das Management verstanden.

Die drei Führungsprinzipien und das Kölsche Grundgesetz

Aber was genau sind diese drei Führungsprinzipien und was haben die mit dem Kölschen Grundgesetz zu tun?

Die drei Führungsprinzipien laut Schulz von Thun sind:

  1. „Probiere zu deiner inneren Wahrheit zu stehen, auch wenn du dich damit nicht notwendig beliebt machst!“
  2. „Probiere zu würdigen, was dir entgegengebracht wird.“
  3. „Probiere dir den Humor zu bewahren, auch und gerade in schwierigen Situationen!“

Mit dem ersten Prinzip ist insbesondere das mittlere Management gemeint, das häufig zwischen den Stühlen sitzt und auch einmal unpopuläre Maßnahmen durchsetzten muss. Im Kölschen Grundgesetz könnte sich der Manager auf mehrere Artikel gegenüber seinen Mitarbeitern berufen. Gut passen würde beispielsweise der Artikel 1: „Et es wie et es“ oder „sieh den Tatsachen ins Auge, Du kannst eh nichts ändern“. Viele Manager denken sicherlich oft genau das. Beliebt macht man sich damit bestimmt auch nicht unbedingt. Das zweite Prinzip richtet sich an alle starken Antreiber unter den Chefs. Im Team zu arbeiten und alle Mitglieder zu würdigen ist oft nicht ihr Ding. Der Rheinländer würde hier das sogenannte „Wohlstandsgesetz“ anwenden: „Mer muss och jünne könne“ oder man muss auch dem anderen gönnen können. Im dritten Prinzip kommt das Kölsche Grundgesetz mit seinem Artikel 11 „Do laachs de disch kapott …“ voll zur Geltung. Schulz von Thun empfiehlt den unter Druck stehenden Managern, sich den Humor zu bewahren – auch in schwierigen Situationen. Wer versteht das nicht besser als der Rheinländer? Mit dem Artikel 11 wird dazu aufgefordert sich eine gesunde Einstellung zum Humor zu bewahren. Wenn Schulz von Thun kein Hanseat wäre, er könnte direkt aus Köln kommen.

Sind Sie auch der Meinung, dass gelungene Kommunikation glücklicher machen kann? Was ist für Sie eine gelungene Kommunikation?