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Ein Jäger und Sammler geht den Dingen auf den Grund

by Frank Seifert.

Ein Jäger und Sammler geht den Dingen auf den Grund

© De Vries

Letzten Montagabend saß ich vor dem Fernseher und zappte random mäßig durch das Programm. Eher zufällig stieß ich dabei auf eine sehr interessante Reportage auf 3Sat. Es ging um einen Schweizer namens Kim Pasche, der fast das ganze Jahr in Kanada in völliger Wildnis das Leben eines prähistorischen Jägers und Sammlers führt (mehr dazu unter http://www.3sat.de/page/?source=/sfdrs/188053/index.html). Mich hat dieser Mensch und seine Leidenschaft, schon von Kindesbeinen an den Dingen auf den Grund zu gehen sehr beeindruckt. Pasche kommt dabei sehr authentisch rüber und erzählt spannend wie er schon als Kind wissen wollte, wo die Dinge des alltäglichen Lebens herkommen und wie genau sie gemacht werden. Sein Großvater machte ihn mit dem Leben in der Natur vertraut und so lernte er Stück für Stück ohne jegliche Hilfe oder moderne Technik in der Natur zu leben – und nicht nur zu „überleben“, was ihm sehr wichtig ist. Nun lebt er von seinen Kenntnissen über das Leben in und mit der Natur, führt Seminar-Gruppen an und verbringt den Großteil des Jahres als Jäger und Sammler in der Wildnis Kanadas.

Ein Grund für psychische Leiden

Aber nicht nur die Fertigkeiten und außergewöhnlichen Lebensumstände dieses Mannes beeindruckten mich sehr. Insbesondere waren für mich seine philosophischen Erkenntnisse über das menschliche Leben sehr spannend zu hören, gerade weil er einen so extremen Weg gegangen ist. Er fand beispielsweise nach vielen Jahren in der Einsamkeit für sich heraus, dass – obwohl man alle Überlebens-Techniken beherrschen kann, um Grundbedürfnisse nach Nahrung, trockener Kleidung etc. zu befriedigen – man trotzdem sehr schnell sterben kann. Die wirkliche Gefahr liegt in der Einsamkeit und der damit verbundenen tiefen Melancholie. Mit anderen Menschen teilen zu können, ist offenbar ein noch tieferes Grundbedürfnis als die rein körperlichen Bedürfnisse. Was sagt uns dass über unsere moderne Zivilisation, wo es alles – weit über die physischen Grundbedürfnisse hinaus – gibt? Ist der Grund für psychische Probleme und unglücklich sein bzw. Süchte etc. in der zunehmenden Einsamkeit zu suchen? Wäre es nicht eine Lösung, mehr zu teilen als zu horten?

Angst vor der Zukunft

Materieller Überfluss hat die Menschen offenbar nicht automatisch glücklicher gemacht (mehr dazu unter http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/erklaer-mir-die-welt-20-warum-macht-geld-nicht-wirklich-gluecklich-1381270.html). Auch wenn diese Erkenntnis nicht neu ist – sie kommt nicht wirklich in den Herzen an. Die Angst vor (imaginären) Gefahren in der Zukunft lässt den modernen Menschen vielmehr immer weiter horten und konsumieren. Glück und vermeintliche Sicherheit werden im Konsum bzw. in der mindesten materiellen Absicherung des Status Quo gesehen. Die eigentliche Gefahr der seelischen Vereinsamung wird dabei außer Acht gelassen. Der prähistorische Mensch hatte nicht viel zu verlieren, denn er besaß nicht viel. Er lebte im Hier und Jetzt. Sicherheit brauchte er nicht. Er wusste, dass sich die Welt dauernd ändert und konnte sich darauf einstellen. Angst vor der Zukunft war ihm nicht nützlich sondern eher eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen.

Komfortzone verlassen

Pasche erzählt auch über seine Gefühle und Erfahrungen, die er machte, als er die leer stehende Hütte eines Trappers bezog und diese Behaglichkeit nur ungern verlassen wollte. Er traute sich nur noch die Gegend in einem Umkreis von rund 10 Kilometer um die Hütte herum zu erkunden. Der Grund war, dass der die Bequemlichkeit dieses Platzes nicht mehr loslassen wollte. Wie ein Magnet zog es ihn immer wieder zurück. Geht es uns nicht allen mehr oder weniger ähnlich? Haben wir nicht alle ein Gefühl des Unbehagens, wenn wir unsere Komfortzonen verlassen? Was riskieren wir dabei aber tatsächlich? Was bleibt uns dadurch vielleicht verborgen? Welche Erfahrungen verbieten wir uns dadurch? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Das Beispiel mit der Hütte fand ich sehr treffend. Als Pasche merkte, wie sehr ihn dieses Gefühl der Sicherheit und Behaglichkeit an den Ort der Hütte band und unfrei machte, hat er diese kurzerhand verlassen und sich auf den Weg gemacht zu unbekannten Plätzen und neuen Erfahrungen. Er sagte, dass wenn wir die Angst vor dem Unbekannten einmal überwunden haben, wird uns erst klar wie wenig wir wirklich zum Leben brauchen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Ihrer Komfortzone? Haben Sie sich schon einmal heraus getraut? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?