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Begabung macht noch keinen Weltmeister

by Frank Seifert.

Begabung macht noch keinen Weltmeister

© De Vries

Menschen mit einer besonderen Begabung faszinieren alle „Normalos“. Ich bin beispielsweise extrem fasziniert von den Gedankenleistungen beispielsweise eines Einsteins. In welchen Dimensionen und Tiefen manche Menschen in der Lage sind zu denken ist schon sehr beeindruckend. Auch manche Ingenieursleistung (wie beispielsweise das Aussenden von Robotern zum Mars etc.) sind für mich nicht zu begreifen. Es hat zu allen Zeiten Menschen mit besonderen Begabungen gegeben und wir stehen heute gewissermaßen auf den Schultern von diesen „Riesen“. Viele haben aber wahrscheinlich nie ihr ganzes Potenzial ausspielen können. Zu groß waren vielleicht die Wiederstände ihrer Zeit.

Üben, üben, üben

Um sein ganzes Potenzial ausschöpfen zu können braucht es – neben der Begabung und der Möglichkeit diese auch zu nutzen – insbesondere viel Übung und Training. Das haben Wissenschaftler festgestellt, die sich insbesondere mir dem Phänomen der Begabung beschäftigen (mehr dazu unter http://www.sueddeutsche.de/wissen/schach-wm-karjakin-gegen-carlsen-sind-schachspieler-besonders-intelligent-1.3261743).

Effektivität das Gehirn nutzen

Neben der Sammlung von Wissen und Erfahrungen nutzen intelligente Menschen eine besondere Technik, um ihr Gehirn sehr effektiv einzusetzen. Am Beispiel von Weltklasseschachspielern haben Forscher beispielsweise festgestellt, dass diese – wie offenbar alle intelligenten Menschen – gezielt die Hirnareale nutzen, die gerade gebraucht werden.

Zeitliches Optimum

Interessant ist ebenfalls die Beobachtung, dass die Kopfleistungen – wie auch die Körperleistungen – im Alter nachlassen. Teilweise wird diese sukzessiv schlechter werdende „Hardware“ durch im Laufe der Zeit gesammeltes Wissen und Erfahrungen (Software) kompensiert. Bei Schachspielern ist ein Optimum von Hard- und Software teilweise schon in relativ jungen Jahren erreicht. Kasparow war gerade einmal 22 Jahre alt als er das erste Mal Weltmeister wurde. Das ist ähnlich zu anderem Spitzensport. In anderen Bereichen – wie beispielsweise der Wissenschaft – liegt das optimale Alter wahrscheinlich in etwas späteren Jahren. Die Ansammlung von Wissen ist in der Wissenschaft ein sehr langer Prozess. Aber immer dann, wenn körperliche – und kognitive Leistungsfähigkeit ihr zeitliches Optimum erreicht haben, sind auch Spitzenresultate möglich.

Universelle Begabung

Erfahrungswissen und Üben sind also unerlässlich für jede Spitzenleistung – ganz gleich wie ausgeprägt die Begabung auch sein mag. Aber auch Menschen mit herausragenden Begabungen können nicht überall gleich gut sein – egal wie gut sie in manchen Bereichen auch sind. Das ist leicht nachvollziehbar und man könnte es vielleicht sogar eine „Binsenweisheit“ nennen – ein Sprichwort sagt sogar: „Wo viel Licht – da viel Schatten.“ Dennoch ist dieses Gebiet noch zu wenig erforscht und die Zusammenhänge sind noch nicht ganz geklärt. Bei Kasparow hat eine Intelligenzmessung beispielsweise ein völlig überraschendes Ergebnis gezeigt. Er war bei Aufgaben, wo es um abstrakte Figuren ging, eher durchschnittlich. Für alle Normalos ist das etwas tröstlich. Wenn es zu spät für uns selbst ist, um noch besonders gut in Etwas zu werden, dann steckt ja vielleicht in unseren Kindern ein kleines Genie oder ein Spitzenfussballer!? Wer weiß? Auf jeden Fall lohnt es sich einmal hinzugucken!
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